A A A

Peter Pan IV

Peter Pan IV wurde im Oktober 1988 von der Schichau Seebeck Werft in Bremerhaven als Nils Dacke an die Swecarrier Rederi AB, Stockholm, geliefert. Ursprünglich sollte das Schiff bereits im August geliefert werden. Da aber auf der Probefahrt ein Feuer im Hauptstellwerk ausbrach und infolge dessen der ganze Kontrollraum umgebaut werden musste, verspätete sich die Lieferung um einige Monate.

 

Die Nils Dacke war damals die größte kombinierte Eisenbahn- und Lkw-Fähre, die je gebaut worden war. Leider war der Markt noch nicht reif für ihre Möglichkeiten, so dass die einzigen Einsenbahnwaggons, die je an Bord gingen, diejenigen waren, die benutzt wurden, um die Gleise zu testen. Im Oktober 1988 wurde die Fähre in den Dienst zwischen Trelleborg und Travemünde gestellt.

Nils Dacke war ein relativ modern ausgerüstetes Schiff, in dem viele der Erfahrungen von Saga Star, die auch für Sweferry gebaut worden war, umgesetzt worden waren. Das Schwesternschiff Robin Hood hatte mehr Seebeck-Standard.

Nils Dacke segelte für Swelast, mit einer Betriebsbesatzung von Swelast, ex Linjebuss AB im Pool mit TT-Line bis Ende 1991. Dann ging Gotlandsbolaget als Eigner ein und übernahm die Poolzusammenarbeit mit TT-Line. Auch der größte Teil der Betriebsbesatzung ging mit zu Gotlandsbolaget, während die Cateringbesatzung, die früher bei TT-Line angestellt worden war, blieb.

Dies war ein glücklicher Umstand, der ein jähes Ende fand, als plötzlich die Zusammenarbeit zwischen TT-Line und Gotlandsbolaget in der Mitte des ersten Jahres aufgekündigt wurde. Die Nils Dacke stand zum Verkauf und der Besatzung wurde gekündigt. Diese Situation wurde aber zum Besten gelöst, als TT-Line die Nils Dacke kaufte, sie nach Bahamas umflaggte und der ganzen Besatzung eine Anstellung anbot. Anfang 1993 ging es dann wieder unter TT-Line Flagge weiter.

Bereits in der Zeit von Gotlandsbolaget fing man an, einen Umbau zu planen, der mehr Passagierkapazität gewährleisten konnte. Diese wurde benötigt, da die beiden großen Fähren, die Peter Pan und Nils Holgersson verkauft worden waren. Robin Hood wurde zuerst umgebaut und kam als Nils Holgersson zurück. Im Mai war die Nils Dacke an der Reihe, nach Finnland zur Kvaerner-Masa Yard in Turku gebracht zu werden, um die Konvertierung zu einer vollwertigen Passagierfähre vorzunehmen.

Bis dahin hatte die Nils Dacke Kapazität für 284 Passagiere in 280 Betten gehabt, eine Cafeteria, einen kleinen Shop und einen Konferenzraum. Mit anderen Worten: Eine perfekte Lkw-Fähre. In Finnland sollte all dies auf den Kopf gestellt werden!

In Turku ging man schonungslos zu Werke. Das Schiff wurde zusammen mit einer Ölplattform, einem Bugsierboot und einem 10.000 Tonnen Schleppkahn in das große Umbaudock eingedockt. Und immer noch sah es so aus, als hätte noch eine weitere Nils Dacke Platz gehabt. Alles ging rasend schnell: Wenn man sich für einen Moment umdrehte war etwas entfernt worden oder, wenn man sich wieder zurückdrehte, noch ein Loch aufgebrannt worden. Die Arbeit lief wie geschmiert, man hatte ja mit der Robin Hood/Nils Holgersson geübt und auch das Wetter spielte mit. Und so war es Ende August an der Zeit, sich mit dem Schiff, das Peter Pan geworden war, auf den Weg nach Travemünde zu machen, um Anfang September den Verkehr aufzunehmen.

In Turku wurden neue Kabinen, Restaurants, ein Nachtclub, ein Tax Free Shop und größere Besatzungsräume installiert. Die Küche wurde vergrößert, neue Vorratsräume mit Kühlschränken und Gefriertruhen eingerichtet sowie ein neues Proviantierungssystem mit einem großen Kran für Proviantcontainer und austauschbare Container für die Restaurants, Bars und den Shop gebaut. Das alles ging zu Lasten des oberen Autodecks, dem Wetterdeck, aber jetzt konnte die Peter Pan über 1000 Passagiere beherbergen.
Auf dem Kombideck wurden vier Hebedecks für Pkw eingesetzt, der Steven wurde geöffnet und eine Bugrampe angebracht. Hierzu wurden technische Installationen benötigt und auch die Lebensrettungs- und Sicherheitsausrüstung musste aufgestockt werden. Ebenso wurden ein neuer Generatordiesel, neue Müllanlagen, neue Umluftzentralen, zwei Vakuumsstationen für das Toilettensystem und eine neue Hydroforpumpe eingesetzt. Die Brandalarmanlage wurde ausgeweitet und die ganze Einrichtung mit Wassersprinklern versehen. An Deck wurden neue Rettungsbootskräne mit dazugehörenden Rettungsbooten installiert.

Trotz allem war immer noch Sweferrys Nils Dacke die Basis mit vier MAN-B&W L40/45 Hauptmotoren, MAN-B&W 5L28/32 Hilfsmaschinen, allerdings erweitert um eine auf insgesamt vier. Propeller, Getriebe, Bugpropeller und Navigationsausrüstung wurden beibehalten.

Das Schiff fuhr dann für ca. 8 Jahre mit diesen Kapazitäten auf der Travemünde-Trelleborg-Route. Der Verkehr änderte sich zunehmend; die Fracht nahm zu während die Passagierzahlen aufgrund von Wegfall Duty Free und Öresundbrücke zurückgingen. Das Schiff hatte zunehmend die falschen Kapazitäten, nämlich zu wenig Frachtraum und zu viele Passagierfaszilitäten.

Ende Oktober 2001 wurde Peter Pan zu Peter Pan IV umgetauft, da mittlerweile eine neue Peter Pan mit angepassten Kapazitäten gebaut worden war. Im November 2001 ging sie nach Bremerhaven, um zurückgebaut zu werden und um ihr altes Erscheinungsbild als Trailerfähre wiederzuerhalten. Hier wurde nun das meiste dessen, was sieben Jahre zuvor in Finnland eingebaut worden war, verschrottet. Insgesamt dauerte der Umbau zwei Monate. Im Anschluss fand eine Dockung bei Flender statt und das Schiff wurde ins schwedische Register eingetragen. Heute fährt die Peter Pan IV als Huckleberry Finn zwischen Rostock und Trelleborg mit Heimathafen Trelleborg.

Rolf Lennart Persson

Telefon +49 (0)4502 801-81 
Kontakt

Folgen Sie uns auf
Facebook Twitter

Datenschutz & Nutzungsbedingungen |
SitemapImpressum