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Nils Holgersson (V) – im Wandel der Zeit

Nils Holgersson (V) begann ihre Karriere als Robin Hood bei der Schichau Seebeckwerft in Bremerhaven, wo im April 1988 die Kiellegung stattfand.

 

Das Schwesterschiff Nils Dacke war bereits seit Oktober 1988 in Dienst, darauf folgte am 28. Januar 1989 die Indienststellung der Robin Hood, als erste Combicarrier-Generation auf der Hausroute Travemünde-Trelleborg.

Die Combicarrier sollten die Jumbo-Liner unterstützen und wurden vornehmlich zum Transport von Fracht eingesetzt. Die damaligen Jumbo-Liner hatten eine geringe Ladekapazität und konnten aufgrund von Hängedecks nicht immer eine große Anzahl von LKW mit an Bord nehmen. Die neuen Combicarrier waren diesbezüglich geräumiger und verfügten über ein Wetterdeck, sodass auch Gefährliche Güter transportiert werden konnten, die nur auf offenen Deckflächen geladen werden dürfen. Ebenfalls wurde an Bord der Robin Hood, wie auch an Bord des Schwesterschiffes Nils Dacke, das Hauptdeck mit Eisenbahnschienen ausgestattet. Eisenbahnwagons wurden jedoch nie transportiert, da in Trelleborg keine Anbindung an den Liegeplätzen vorhanden war und dieses Projekt auch aus verschiedensten Gründen nicht realisierbar war, sodass es schnell wieder ad acta gelegt wurde.

1993 wurde der Jumbo-Liner Nils Holgersson (IV) nach Frankreich verkauft, sodass man nach neuer Tonnage suchte. Es wurde über Neubauten nachgedacht und auch kam es zu der Überlegung, die Schwesterschiffe Olau Hollandia und Olau Brittania einzusetzen, die plötzlich zur Verfügung standen. Schließlich entschied man sich jedoch dazu, die Combicarrier weitgehend umzubauen. Eine höhere Passagierkapazität und mehr Komfort für die Passagiere waren die Ziele, die man sich setzte.

Wärtsilä in Turku war die Werft, die das beste Angebot liefern konnte um dieses Projekt durchzuführen. Robin Hood fuhr hierzu als erstes der Schwesterschiffe, im Dezember 1993 in die Werft.

Zum einen verschwand das obere Autodeck völlig, und alle Aufbauten wurden bis zum Heck verlängert. Der Schornstein wurde höher gesetzt, ein Proviantkran am Heck und zusätzliche Rettungsmittel installiert. Im Inneren veränderte sich das Schiff somit auch. Auf Deck 5 kam eine große Anzahl von Kabinen hinzu. Auf dem „neuen“ Deck 6 entstand eine Arkade mit Straßencafé, Lounge, Gambling-Room, Supermarkt und Boutique, Kinderspielraum, Videoraum, Konferenzraum und einem Nightclub. Ebenfalls wurde ein weiterer Restaurantionsbereich Mittschiffs eingerichtet, zum bereits vorhandenen Restaurant in Frontlage. Die Passagierkapazität erhöhte sich von 300 auf 1044 Passagiere. Die Ladekapazität sank durch die neuen Passagierdecks von 2250 auf 1480 Lademetern.

Ende März 1993 wurde Robin Hood schließlich in Nils Holgersson (V) umbenannt. Am 4. April 1994 ging sie auf die erste Reise auf von Travemünde nach Trelleborg.

Bis zum Jahre 2001 versah sie den täglichen Dienst sehr zuverlässig. In den vergangenen Jahren veränderte sich jedoch die Marktlage beachtlich, sodass man sich den neuen Voraussetzungen anpassen musste. Viele Passagiere blieben aufgrund des Duty-Free-Wegfalls fern und auch sank die Reiselust der Deutschen. Im Gegensatz dazu benötigte man wieder mehr Lademeter an Bord.

2001 wurde die neue und aktuelle Nils Holgersson (VI) eingesetzt, die die Eigenschaften besaß, die man nun benötigte, um die Marktposition weiterhin zu stärken. Zuerst wurde überlegt, die Nils Holgersson (V) zu verkaufen, da sie schwer in die Flotte zu integrieren war. Da sich die noch junge Route Rostock-Trelleborg jedoch prächtig entwickelte und die verkehrenden Schiffe TT-Traveller und Saga Star zu klein wurden und nicht sonderlich komfortabel waren, entschied man sich dazu, einen erneuten Umbau zu vollziehen, um das Schiff anzupassen.

Nils Holgersson (V) fuhr daraufhin nach Bremerhaven zu SSW Fähr- und Spezialschiffbau, ihre Kinderstube, bei der sie 1988/1989 erbaut wurde.

Dem Kundenwunsch entsprechend wurde das Schiff so ausgestattet, dass es zum einen für eine Überfahrt für Passagiere Komfort bietet und zum anderen auch genug Kapazitäten für LKW vorhanden sind. Die in Finnland installierten Decks wurden größtenteils wieder zurückgebaut, sodass wieder ein weiteres großes und offenes Ladedeck entstand. Die Passagierkapazität verringerte sich auf 328 Personen und die Frachtkapazität erhöhte sich auf 2000 Lademeter.

Das Restaurant in Frontlage blieb von den Umbauarbeiten weitgehend unangetastet. Auf Deck 5 entstand ein neuer Shop, auf Deck 6 ein neues Kinderspielzimmer. Schließlich wurde ein neuer Namen für den Umbau und das dazugehörige Schwesterschiff gesucht, da es noch keine Vorgängerschiffe gab. Die Wahl fiel der Reederei wohl nicht leicht, sodass man sich zu einem Wettbewerb unter den TT-Mitarbeitern entschied. Alle Mitarbeiter, an Land und an Bord, wurden dazu aufgefordert Vorschläge zu unterbreiten. Den Zuschlag erhielt schließlich Tom Sawyer, die Schwester sollte Huckleberry Finn heißen.

Am 10. Dezember 2001 wurde sie getauft und kam drei Tage später zwischen Rostock und Trelleborg zum Einsatz, wo sie bis heute ihren Liniendienst versieht.

Marius Carta.

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